MEINE CHALLENGE ROTH 2017

Harte Arbeit führt zum Ziel

Am 11.07.2016 um 10:00 begann meine Challenge Roth 2017.

Das Rennen beginnt nämlich schon 1 Jahr vor dem eigentlichen Rennen, wenn es darum geht, um Punkt 10:00 auf dem Onlineportal ENTER zu drücken um sich somit einen Startplatz zu sichern! Bei mir hat es geklappt und somit war ich einer von ca 3500 glücklichen Einzelstarter! Warum die Startplätze so begehrt sind, erklärt sich von selbst, wenn man sich im Triathlon Sport ein wenig umhört und jeder, aber wirklich jeder davon schwärmt, einmal in Roth zu starten und das Lebensgefühl Triathlon erleben zu dürfen.

Lang, länger, Langdistanz, hier einige Zahlen, die Eindruck machen:1250-2250 Armzüge beim Schwimmen, 43200-85500 Kurbelumdrehungen beim Radfahren, 31000-40000 Schritte beim Laufen, 9-30 Liter Schweissverlust, 70200-144000 Herzschläge, 27 Snickers Energiebedarf auffüllen und das alles so schnell wie möglich….

Demgegenüber mein Trainingstagebuch mit durchschnittlich 12h Training pro Woche ergibt:110h/330km Schwimmen, 335h/7600km Radfahren, 120h/1300km Laufen und 105h Krafttraining

Ein Jahr als Vorbereitung sollte reichen, ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur einen einzigen Triathlon in meinen Leben absolviert gehabt, den Half Ironman 70.3 in Rapperswil. Zuvor habe ich mich 15 Jahre im Autorennsport mit Formel 3 und anderen schnellen Rennwagen ausgetobt. Erst Ende 2013 habe ich mich dem Ausdauersport angenommen und fortan denn Rennwagen mit dem Rennvelo getauscht. Es folgten 2 Saisons mit diversen Duathlon Rennen der Cablex Pro Duathlon Serie. Mit am Start jeweils Steff vom Sportteam. Im Frühling 2014 habe ich mit einem Crawlkurs der Migros Klubschule angefangen zu schwimmen, mit dem Hintergedanken, vielleicht irgendeinmal einen Triathlon zu bestreiten…

Als ich mir im August beim Duathlon Powerman Germany einen Ermüdungsbruch im linken Mittelfussknochen zugezogen habe, hat mir mein Körper die Grenze ganz klar aufgezeigt, was möglich ist und was zu viel ist. Ich habe danach mein Training angepasst und das Lauftraining reduziert, jedoch das Schwimmtraining intensiviert. 2 Wochen Mitte September im T3 Trainingscamp auf Teneriffa machten damit der Anfang. Danach stand ich ab Herbst auch 2-mal die Woche morgens um 06:00 am Beckenrand mit den Trainingskollegen vom Sportteam zum geleiteten Schwimmtraining bereit. Es ist sehr motivierend, wenn der Wecker um 05:15 abgeht, sich aufzuraffen und aufzustehen, wenn man weiss, dass es allen anderen Schwimm Gschpänndli ähnlich ergeht…

Natürlich startete ich im November wieder am SIC Indoorcycling Marathon über 12h in Schüpfen mit mehreren Mitglieder vom Sportteam zusammen. Zur Abwechslung zum Indoorcycling Training im Winter, drehte ich viele…… sehr sehr sehr viele Runden auf dem Bahnvelo im Tissot Velodrom in Grenchen mit unserem Sportteam Präsi. Stöffu.
Eine weitere Woche Trainingslager verbrachte ich mit Steff vom Sportteam, Ende Februar im Play Itas auf Fuerteventura, das Triathlon Mekka im Winter schlechthin.
Im März ging es dann auf den Leistungsprüfstand bei Filippo Larizza,, wo wir mittels Spiroergometrie meinen Turbodieselmotor prüften, mit erfreulichen Werten natürlich;))
Dank dem milden Frühling konnte man zum Glück schon viel draussen trainieren und die Basis legen für ein weiteres Trainingslager Ende April, mit Steff vom Sportteam zusammen, diesmal in Giverola, Spanien, mit Bikeholiday und Bigfriends unser Team Ausrüster.

Anfangs Mai machte ich mich auf den Weg nach Roth, um das offizielle Kickoff Weekend zu bestreiten, das heisst am Samstagnachmittag im Freibad möglichst viele Bahnen zu schwimmen, wo Pro Bahn 1 Euro einem guten Zweck gespendet wird, eine schöne Sache! Ich habe meine 4 Kilometer abgespult und danach mein Hotel Inspiziert, wo ich auch am Renn Wochenende residieren werde. Am Sonntag ging es dann auf die Offizielle Rad Streckenbesichtigung in verschiedenen Leistungsgruppen. Ich liess es mir nicht nehmen bei Triathlon Profi Maurice Clavel mitzufahren, ein cooler Typ, der übrigens beim Rennen lange geführt hat und den 3 Rang erzielte, ebenfalls als Langdistanz Newbi…Gratulation.
Weil in diesem Jahr eine neue Laufstrecke ansteht, liefen wir diese anschliessend in einem gemütlichen 4er Schnitt ab…, jedoch nur eine Runde, also 21km. Mit einem guten Gefühl ging es dann wieder Heimwärts und ich konnte mit dem visualisieren und mentalem fokussieren beginnen.

Mitte Mai startete ich am Intervallduathlon in Zofingen als Trainingswettkampf, dh 75 Kilometer mit dem Rennvelo von zuhause nach Zofingen radeln, 4/16/4/16/4km im Wechsel sprinten und radeln und anschliessend wieder 75 Kilometer nach Hause radeln.
Mit einem kurzen 3 Tages Höhentrainingslager in Leukerbad mit 220km Hin- und 240km Rückfahrt auf dem Rennvelo, ging es danach in die erste Taperingphase für die Hauptprobe im Juni, dem Halb Ironman70.3 in Rapperswil. Es war ein super Wochenende welches ich zusammen mit Steff vom erleben durfte. Mit dem Resultat bin ich sehr zufrieden, denn ich habe versucht die gleiche Intensität und Geschwindigkeit einzuhalten, wie ich diese auf der Langdistanz aufrechterhalten kann. Die Verpflegung hat sich an dieser Hauptprobe auch bewiesen, und somit war die Zeit von 04:53:50, für meinen zweiten Triathlon sehr vielversprechend.

Der Juni war eine Mischung von Erholung und Training um in Roth in der optimalen Form an der Startlinie zu stehen. Auf einmal ging alles sehr schnell und schon fuhr ich am Freitagmorgen mit Sack und Pack die 530km nach Roth.

Die Ruhe vor dem Sturm  

Wahnsinnig was da alles aufgebaut wurde. Dagegen ist die Ironman Zürich Veranstaltung nur ein Regio Cup Rennen…

Die Startunterlagen konnte ich ohne Wartezeit in Empfang nehmen und mir einen ersten Überblick von der Expo und vom Festgelände zu verschaffen. Um 18:00 begann die Bernbacher Nudelparty, an dieser natürlich alle Athleten Ihre Kohlehydratspeicher auffüllen. Danach ging ich früh zu Bett, weil ich weiss. Dass ich vor dem Rennen eher schlecht als recht schlafen werde. Nach einem ausgiebigen Morgenessen/Brunch fuhr ich nach Hilpoltstein zur Wechselzone1 wo man die Fahrräder einchecken muss. Zuvor machte ich noch eine 30 minütige Checkrunde, ob Fahrer und Maschine funktionieren. Ein 15 minütiges Lauf Koppeltraining setzte den Schlussstrich für die Vorbereitung. Ab 11:30 konnte ich das Rad ohne Wartezeit einchecken und mir einen Überblick vom Gelände machen. Schwimmstart/ausstieg, Wechselzelt, Bike Exit usw. Den restlichen Nachmittag habe ich am Schatten unter einem Baum dösend verbracht und Natürlich immer wieder gegessen und getrunken und so zählt der Countdown immer runter. Um 16:00 war die Wettkampfbesprechung im Festzelt, die Atmosphäre war sehr locker und man spürte die Vorfreude auf das Rennen. Noch schnell die Startnummer Tattoos anbringen und versuchen ein paar Stunden Schlaf zu finden.

Um 03:00 stehe ich auf, Wecker brauchte ich keinen….Am Frühstückbuffet ist schon reger Betrieb. Das Hotel ist Partner von der Challenge Roth und somit hat es Athleten aus der ganzen Welt hier. Ich habe mein Porridge und ein Honigbrot gegessen und schon ging es nach Hilpoltstein zur Wechselzone 1. Es hatte schon extrem viele Autos unterwegs Richtung Roth.

In der Wechselzone angekommen probierte ich mit Standard Rituale ruhig zu bleiben, Reifendruck prüfen, Verpflegung am Rad anbringen usw, alles läuft fast wie in Trance ab, diese Stimmung ist einfach …….. Gänsehaut, dazu Musik aus den Lautsprecher von Enigma.

Mein Schwimmstart ist um 06:50, also 20 Minuten nach den Profis, da werde ich keinen mehr einholen……;)

Let’s Rock n Roth

Mit den anderen 199 aus meiner Startgruppe an den Vorstart vorziehen und schon stehe ich im Main Donau Kanal mit angenehmen 21°C Wassertemperatur. Nochmal kurz in mich gehen und schon knallt die Kanonenkugel und die Startleine geht hoch. Ich versuche mich aus dem grössten Gemetzel rauszuhalten und meinen eigenen Rhythmus zu finden, was auch relativ gut gelingt. Zur besseren Orientierung schwimme ich immer etwa 5 Meter vom Ufer entfernt, mache aber trotzdem diverse unnötige zick zack Manöver….bei der ersten Wendeboje hat mich schon die erste rote Badekappe überholt, was bedeutet, dass das eine Frau ist, die 5 Minuten nach uns gestartet ist, egal dachte ich und versuchte effizient und sauber, so wie ich es immer wieder von den Schwimm Coaches vom Sportteam vermittelt bekommen habe, die restliche Distanz zu schwimmen. Nach 1h12 Minuten habe ich wieder festen Boden unter Füssen und schon bin ich im Wechselzelt, wo einem die Helfer sogar den Neo in den Beutel verstauen und aufgeben, FULL SERVICE!

Nichts wie ab aufs Rad und da fällt mir erst richtig auf, dass da tausende von Zuschauer an der Strecke stehen und dich anfeuern…WOW. Nur nicht überzocken dachte ich und achtete auf mein Tempo und Puls. Verpflegen nicht vergessen habe ich mir immer wieder sagen müssen, was gar nicht so einfach ist, wenn man keinen Appetit hat. Mein Rhythmus habe ich bald gefunden und mich auf die schnelle Radrunde gefreut, doch der Gegenwind hat das Tempo leider etwas gedrosselt, was solls, es ist schliesslich für alle gleich dachte ich und so ging es dem Solarer Berg entgegen und was einem da erwartet, ist einfach unbeschreiblich. Diese schmale Gasse in der Menschenmenge hochzufahren ist einfach unbeschreiblich, ja, einmal im Leben muss man das erlebt haben. Schon waren die ersten 90km rum und die zweite Runde ging etwa gleich schnell vorbei an so vielen Stimmungsnester und begeisterten Zuschauern. Nach 5h17Minuten konnte ich mein Rad Anfangs Wechselzone 2 abgeben und mit meinem Laufsäckli ins Wechselzelt flitzen, wo von einem weiteren Helfer wieder alles eingesammelt und flott gemacht wurde FULL SERVICE!

Ab auf die Laufstrecke, mittlerweile ist es 30°C heiss und richtig tüpig. Trinken, trinken, trinken, und kühlen, kühlen, kühlen war das Motto für den Nachmittag, wo ja nur noch aus einem Marathon besteht. An der Laufstrecke hat es noch mehr Zuschauer, man hat kaum eine Minute Ruhe, wo man etwas für sich ist und somit sauge ich diese Energie immer wieder auf und laufe einfach immer weiter, bis Kilometer 36 ist mir das auch ganz gut gelungen und dann bin ich fast wie aus dem Nichts in eine Wand gelaufen, ich hatte Hunger, war müde und alles tat weh, also wurde ich zum Spaziergänger , wie so viele andere Athleten ebenfalls…nach der nächsten Verpflegungsstelle läufst du wieder, war der Plan und genau an der Verpflegung stelle kam dann noch ein Krampf im Oberschenkel dazu. Also nahm ich eine grosse Prise Salz zu mir, ein Red Bull und ein Cola und noch ein Muskel Relax shoot von Sponser aus Essigsäure obendrauf. Mein Magen und meine Geschmacksnerven waren wohl von diesem Cocktail dermassen irritiert, dass der Krampf sofort löste und ich wieder weiterrennen konnte. Nur nicht mehr stehenbleiben war ab sofort mein Plan und so konnte ich die restlichen Kilometer nachhause bringen. Der Zieleinlauf nach 4h03Minuten in die Arena ist dann so eine Sache, die erlebt man wie in Trance. Einfach WAHNSINN!

Mit meiner Ziel Zeit von 10h38Minutenn44Sekunden als Langdistanzpremiere und 3. Triathlon überhaupt bin ich mehr als sehr zufrieden und überglücklich

Sofort wurde mir die Medaille umgehängt und sich nach meinem Befinden erkundigt. Im Zielzelt gönnte ich mir eine Massage zum Lockern der Beinmuskulatur. Nach dem Duschen kam auch der Hunger und ich habe das Kaloriendefizit wieder aufgefüllt.

An der Finisherparty wird jeder Athlet gefeiert, als wäre er der Sieger, ist er ja auch, denn wer es ins Ziel schafft, ist ein Sieger!
Mit dem Feuerwerk zum Schluss wird noch einmal die Gänsehaut aktiviert und anschliessend gehen alle auf die Suche nach Ihrem Bett. Ausser ein paar hartnäckige die schlafen vor dem Eingang zum Festzelt, wo am Montagmorgen die Startplätze für 2018 vergeben werden ab 09:30.

Ich ziehe es vor, im Hotel schlafen zu gehen, wo ich zuerst eine Stunde in der Badewanne verbracht habe, schlafen konnte kaum, obschon ich eigentlich Hundemüde war. Zu viele Eindrücke sind da noch im Kopf, die sortiert werden müssen, das wird noch eine Weile dauern..

Nach Roth ist vor Roth

Das Aufstehen am Morgen danach klappte erstaunlich gut, kaum Muskelkater, nur der Linke Knöchel war etwas geschwollen, aber der war ja schon vor dem Rennen entzündet….ach ja, die blauen Zehennägel gehören auch dazu….

Nach einem ausgiebigen Frühstück unter lauter glücklichen und stolzen Finisher, fand ich in Roth eine Menschenschlange, die weit über den Parkplatz hinweg reichte, alle wollten einen Startplatz für 2018. Ich dachte noch, ich bin zu spät, doch schon hatte ich ein Zettel von einem Helfer mit einem garantierten Startplatz für 2018 wenn ich mich bis 12:00 vor Ort einschreibe. , gesagt-getan und somit werde ich am 01.07.2018 wieder an der Startlinie stehen, vielleicht habe ich bis dann alle Eindrücke sortieren können. Damit ich die vielen neuen Eindrücke wieder aufnehmen kann.

Ich freue mich jetzt schon, wenn es wieder heisst ROLE ROCK N ROTH 2018

Ich möchte mich an der Stelle bei allen bedanken, die mir bei der Vorbereitung in irgendeiner Form geholfen und mich unterstützt haben: MERCI VIU MAU! Schön im Sportteam powered by BIGFRIENDS dabei zu sein!

Einen grossen Dank geht an die ca 7000 freiwilligen Helfer die nicht nur einen super Job machen, sondern auch mit einem Lächeln Ihr Bestes geben!

Die ca 260000 Zuschauer am Streckenrand tragen einem ins Ziel, das ist einfach der WAHNSINN. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich auch nur daran denke, DANKE!