IRONMAN Switzerland Thun
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- vor 2 Tagen
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Der Rennbericht von Christian Klossner: Die Vorbereitung:
Mein Ziel war von Anfang an ganz simpel. Gesund und glücklich ins Ziel kommen. Glaub wie bei jedem Firsttimer ging es hautsächlich ums Finishen…
Was das Schwimmen anbelangt, war ich erstaunlich entspannt. Dank den vielen Trainings im Neufeld und meiner Vorliebe für alles, was mit Wasser zu tun hat, war das die Disziplin, bei der ich mir am wenigsten Gedanken machte. Auch das Laufen fühlte sich über die Monate immer besser an. Die vielen Mittagseinheiten und Koppelläufe nach dem Radfahren oder Schwimmen gaben mir das nötige Vertrauen. Wobei ich mir irgendwann schon eingestehen musste, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie einen Marathon gelaufen war. Meine längste Distanz lag in einem Training im Mai bei gerade einmal 33,35 KM. Also ein kleines Restrisiko oder gewisse Unbekannte war da noch vorhanden. Zum Radfahren… Drücken wir es mal so aus, ich bin der Inbegriff eines Schönwetterpilot’s. Egal ob Wind, Regen, Kälte, Hitze und auch meine unglaubliche Vorliebe zu Höhenmeter und der Spass hört bei mir auf. Meine Komfortzone auf dem Velo ist ungefähr so gross wie der Sattel selbst. Auch spätestens nach meiner ersten Trainingsrunde auf der Ironman-Strecke in Thun war mir klar, worauf ich mich da eingelassen hatte. Mein erster Gedanke war nur noch, heilige Scheisse… zwei Runden ist verdammt weit. Anfang Jahr war es für mich schlicht unvorstellbar, die 180 Kilometer mit über 2'000 Höhenmetern zu fahren und ganz abgesehen danach auch noch einen Marathon anzuhängen. Aber genau das machte ja den Reiz der Geschichte aus. Rückblickend war die Vorbereitung eine unglaublich coole und spannende Zeit mit euch! Es war faszinierend zu sehen, wie der Körper Woche für Woche stärker, fitter und belastbarer wurde. Klar gab es auch Tage, an denen die Motivation irgendwo Ferien machte. Aber am Ende war man ja selbst schuld😉. Raceday:
Ich glaube rückblickend war ich sehr solide vorbereitet, jedoch eines wurde mir erst einen Tag vorher bewusst, dass mit Anreise zum Parkplatz, danach mit Shuttlebus zur Wechselzone sicher spätestens um 04:30 Uhr aufstehen sollte. Tja, also stand ich um diese trostlose Zeit 04:30 Uhr morgens zum Frühstück auf. Zugestanden, ein Müsli mit Früchten und Erdnussbutter reinzuhauen war auch schon appetitlicher… Punkt 05:45 Uhr stand ich beim Eingang in der Wechselzone, wo ich auch viele von euch noch getroffen hatte. Dort ging dann alles ziemlich schnell. Wechselbeutel kontrollieren, Rad bereitmachen, Reifen nochmals prüfen, noch einmal überall hinschauen, wo komme ich rein und wo muss ich raus. Und schon kam die Durchsage: «alle Athleten bitte zum Schwimmstart». Da ich etwas knapp in Thun ankam, liess ich das Einschwimmen aus. Den See resp. die Wasserbedingungen hatte ich bis dahin ehrlich gesagt noch nicht richtig gesehen. Ein Blick auf die Bäume und die Beachflags genügte aber um zu wissen, dass der Thunersee heute wohl nicht spiegelglatt sein wird. Wenigstens war aufgrund der Luft- und Wassertemperatur Neoprenpflicht. Noch in der Wechselzone verlor ich leider alle aus den Augen und auch beim Anstehen im Strämu war weit und breit niemand von euch zu sehen. Also stellte ich mich im Startsektor 1:15–1:25 h an. Nach all den gemeinsamen Trainings dachte ich mir schon, ja super... jetzt startest du den Ironman tatsächlich allein, obwohl wir mit einer riesigen geilen Gruppe hier sind. Aber genau in diesem Moment tauchten plötzlich die meisten von euch auf. Darauf begann bereits die Eröffnungszeremonie. Leider verstand ich mit der Badekappe über den Ohren und dem Wind gefühlt kein einziges Wort 😄. Dann kam das bekannte Klatschen und der Countdown lief... und schon waren wir unterwegs. Meine Familie hatte sich übrigens entschieden, den Start auszulassen. Die Meinung zuhause war ungefähr: «Schatz, den Teil um sechs Uhr morgens kannst du ruhig alleine erledigen…» Fair enough. Trotzdem waren doch alle schon wach und hatten mich auf der Tracking-App verfolgt😎. Swim: Wie vermutet war es wellig und auch das Wasser an der Uferzone war etwas trüber. Dennoch lief das Schwimmen überraschend entspannt. Nach den ersten Minuten fand ich meinen Rhythmus und fiel wie im Training in einen kleinen Tunnel. Das Schwimmen fühlte sich sehr gut an, fast meditativ. Und ja, über diese lange Schwimmzeit kam mir auch der eine oder andere Ohrwurm wie zum Beispiel von Shakira in den Sinn 🤣😉(kleiner Insider). Teilweise wurde es wieder etwas chaotisch. Hier und da gab es kleine Rempler oder Schwimmer, die plötzlich mitten im Wasser stehen blieben. Da gefühlt alle möglichst genau um die Bojen schwimmen wollten, entstand dort jedes Mal das klassische Flaschenhalssyndrom. Irgendwann, so nach etwa 1'100 Metern, hatte ich dann auch die kleine Erleuchtung, dass ich selbst ja nicht direkt an der Boje vorbeischwimmen muss. Also schwamm ich einfach ein paar Meter weiter aussen und sparte mir das meiste Gedränge. Blöd war nur, dass ich bei den Richtungswechseln resp. beim den Abbiegebojen trotzdem immer auf der Innenseite der Kurven landete. Also genau dort, wo sich wieder alle trafen. Nicht wahnsinnig clever von mir, aber irgendwie hat's trotzdem funktioniert. Cool war auch, dass uns auf dem Rückweg die DS Blümlisalp (glaub zumindest es war sie) ein Stück begleitet hat. Nach 1:16:11 Stunden kam ich aus dem Wasser und genoss die fantastische Stimmung zur Wechselzone. Publikum, Moderation und Musik gaben nochmals richtig Energie. Ich nahm die Schwimmbrille hoch, krempelte mein Neo vom Oberkörper und griff nach dem ersten Gel. Ab in die Wechselzone. Grundsätzlich lief eigentlich alles ziemlich rund. Das Einzige, was etwas mühsam war, war das Granulat vom Kunstrasen. Ich versuchte gefühlt eine halbe Ewigkeit, das Zeug von den Füssen zu wischen, damit ich es nicht in den Socken hatte.
Bike:
Wie ihr ja wisst, ist das nicht meine aller liebste Disziplin.
Die erste Runde lief sehr gut. Sonnenschein, gute Beine und eine solide Pace. Ich startete bewusst sehr moderat und schaute gefühlt ständig auf die Geschwindigkeit, damit ich nicht zu schnell unterwegs war. Bei der ersten Aidstation füllte ich meine Getränke und Gels auf und achtete gleichzeitig darauf, wo die Toiletten waren. Jetzt hiess es Pace halten und auf Verpflegung achten. Bei der zweiten Aidstation wäre dann die Toilette auf dem Plan gewesen. Blöd war nur, dass die Toiletten dort nicht an derselben Stelle standen wie bei der Ersten, sondern bereits irgendwo in der Mitte. Und da fuhr ich natürlich schön daran vorbei und umdrehen wollte ich ja nicht. Immerhin funktionierte die Verpflegung tadellos. Immer schön Elektrolyte trinken, pro Stunde ein 160-Gel, einen halben Riegel und zwei Salztabletten. Mit der Zeit wurde der Druck auf der Blase aber deutlich grösser. Ich überlegte mir, ob ich irgendwo einen Baum aufsuchen oder bis nach Riggisberg durchziehen sollte. Da aber gefühlt ständig die Rennaufsicht auf dem Motorrad an mir vorbeifuhr, entschied ich mich lieber für die sichere Variante und peilte die Aidstation in Riggisberg an. Geschwindigkeitsmässig hatte ich das Gefühl, dass mich ständig Leute überholten. Irgendwann merkte ich aber, dass ich meinen Streckenvorteil besser ausnutzen konnte, vor allem in den Kurven und bei den Abfahrten. Die vielen Trainingsrunden auf der Ironman-Strecke zahlten sich aus. Ich fand immer wieder Gruppen, die grundsätzlich etwas schneller unterwegs waren als ich, konnte aber in den technischeren Abschnitten oder bergab oft wieder aufschliessen.
Dann kam die dritte Aidstation, endlich Toilette. Nur waren alle Kabinen besetzt und ich wartete gefühlt über 5 Minuten. Also Sonnencreme einschmieren, Verpflegung auffüllen und dann endlich aufs Klo. Dann noch die letzten Höhenmeter über den Plötsch und die erste Runde war geschafft. Die zweite Runde wurde dann schon deutlich härter. Die Sonne wurde stärker, der Wind ebenfalls und gefühlt fuhren plötzlich alle schneller als ich. Der Wind kam irgendwie immer von vorne. Aber was soll's, weiterfahren, durchhalten und nicht zu viel studieren. Bis kurz vor Plötsch dem Zweiten wurde es schon etwas zäh. Danach lief es aber wieder erstaunlich gut. Die letzten 30 Kilometer waren dann nochmals richtig okay und nach 6:14:34 Stunden auf dem Rad ging es zurück in die Wechselzone.
Auch dieser Wechsel lief für meine Verhältnisse ganz ordentlich. Diesmal nutzte ich die Gelegenheit, ging nochmals auf die Toilette, drückte noch ein Gel rein und dann ging es ab auf den Marathon.
Run: Kurz nach dem Verlassen der Wechselzone standen bereits viele bekannte Gesichter und bei jedem Blickkontakt musste ich einfach lachen. Ich dachte nur, Alter, du bist ja sowas von selbst schuld. Aber okay, geil war's! Die Stimmung und die Nähe zum Publikum waren einfach der Hammer. Die ersten fünf Kilometer waren die Beine schon etwas schwerer und ich wusste nicht genau, wie ich mit meiner Pace umgehen sollte, da der erste Abschnitt voll in der Sonne lag. Mein Ziel war eigentlich eine 5:30er-Pace. Ich merkte aber schnell, dass ich diese zwar von der Energie her hätte laufen können, die Hitze und die Beine jedoch schon deutlich mehr spürte als auch schon. Der Wind auf der zweiten Rad-Runde hatte doch mehr Spuren hinterlassen, als ich gedacht hatte. Also lief ich die sonnigen und heissen Abschnitte eher mit einer 5:50er-Pace und zog das Tempo in den schattigen Passagen wieder auf 5:25 bis 5:30 an. Viele sagen ja, mehrere Runden bei einem Marathon seien mental schwierig. Für mich war das eigentlich sehr angenehm. In der ersten Runde konnte ich die Beine spüren, die Strecke kennenlernen und die Verpflegung testen. Gleichzeitig sah ich, wo die Fans und ihr alle standet und mich anfeuerten. In der zweiten Runde hiess es dann einfach durchhalten, die Pace halten und weiterhin sauber verpflegen. Long story short, viel Spannenderes gibt's hier eigentlich gar nicht zu erzählen. Ausser, dass mich mein rechter Schuh ziemlich genervt hat, weil er nach den Wasserduschen ständig gequietscht hat. Aber halb so wild. Dann kam die dritte Runde, die aller Geilste! Mit jedem Schritt wurde klarer, dass das heute tatsächlich funktionieren wird. Ich hatte irgendwie gar nicht mehr viele Gedanken im Kopf. Ich wusste einfach, hier noch vorbei, dort noch vorbei und diesen Abschnitt siehst du heute auch zum letzten Mal. Und plötzlich realisierte ich, dass ich gar nicht mehr überholt wurde, sondern selber nur noch am Überholen war. Das gab mir nochmals einen richtigen Schub für die letzten paar Kilometer. Und irgendwann waren sie da, die letzten 1'000 Meter. Im Kopf herrschte eine Mischung aus absoluter Leere, Endorphinen und Homer Simpson, der mit bengalischen Fackeln herumrennt. Es war nicht dieser perfekte Zieleinlauf, wie man ihn aus den Videos kennt. Für mich war es vielmehr das Realisieren, es war verdammt weit und verdammt lang und jetzt ist es schon vorbei. Aus einer leicht geisteskranken Idee wurde Realität. Nach 11:47:12 Stunden war ich im Ziel. Gesund, glücklich und stolz. Mit einer Zeit deutlich unter 12 Stunden hätte ich vor dem Start niemals gerechnet, vor allem nicht bei den Bedingungen im Wasser, Gegenwind auf dem Rad und den eher hohen Temperaturen beim Marathon. Und wenn mich heute jemand fragt, wie ein Ironman ist, würde ich sagen:
Sehr weit, sehr lang und teilweise ziemlich crazy. Aber definitiv eines der coolsten Dinge, die ich je gemacht habe und war ganz sicher nicht der Letzte!

